Wir alle reden so oft von „irgendwann“. Irgendwann reise ich länger. Irgendwann kündige ich. Irgendwann ziehe ich ins Ausland. Irgendwann starte ich mein Projekt. Aber wer macht irgendwann wirklich etwas?
Hand aufs Herz: Wie lange sagst du das schon? Ich habe es viel zu lange getan, so als ob ich vor irgendetwas davon laufen würde. Kommt dir das bekannt vor?
Wenn wir wirklich ehrlich sind, sprechen wir dabei doch gar nicht über uns. Wir sprechen über eine zukünftige Version unserer selbst. Eine, die mutiger ist. Selbstbewusster. Besser vorbereitet. Aber woher soll dieser Mensch eigentlich kommen?
Das Märchen vom zukünftigen Ich
Die meisten von uns träumen von einem zukünftigen Ich mit Fähigkeiten, die wir uns zwar wünschen, jedoch irgendwie nicht zutrauen. Wir glauben, dass wir in einem Jahr mutiger sein werden, also warten wir darauf. Warum eigentlich? Weil weitere zwölf Kalenderblätter abgerissen wurden? Das ist ein gewaltiger Denkfehler, auf den auch ich lange Jahre reingefallen bin.
Zeit allein verändert uns kaum. Sie läuft einfach weiter. Sie fragt nicht nach unseren Träumen. Sie wartet nicht auf unsere Entscheidung. Sie vergeht, mehr nicht. Das allein war für mich eine große Erkenntnis.
Und trotzdem behandeln wir Zeit wie einen Trainer, der uns irgendwann stärker macht. Auch ich falle hin und wieder in dieses Denken zurück. Zeit trainiert jedoch niemanden. Erfahrungen tun das. Also ist es an jedem selbst, loszugehen und Erfahrungen zu sammeln. Es ist wirklich so einfach.
Warst du damals wirklich mutiger?
Denk an deinen ersten großen Schritt zurück. Egal, welcher das war. Der erste Arbeitstag. Der Umzug in eine fremde Stadt. Die erste Reise allein. Hast du dich vorher bereit gefühlt?
Wahrscheinlich nicht. Woher hätte dieses Gefühl auch kommen sollen? Du hattest diese Erfahrung schließlich noch nie gemacht. Und trotzdem bist du irgendwann losgegangen. Nicht, weil plötzlich alle Zweifel verschwunden waren. Sondern weil entweder die Entscheidung oder der Druck auf dich irgendwann größer wurde als die Angst.
Wir schauen heute auf diesen Moment zurück und denken: „Damals war ich mutiger.“
Dabei warst du damals wahrscheinlich genauso unsicher wie heute, wenn es darum geht neue Dinge zu tun. Aber du hast den ersten Schritt gemacht und bist sicher auch daran gewachsen.
Das Leben verschickt keine Einladungen
Lange habe ich geglaubt, dass das Leben irgendwann ein Zeichen schickt. Irgendein Moment, an dem plötzlich alles Sinn ergibt. Heute sehe ich das glücklicherweise anders.
Das Leben verschickt keine Einladungen. Es stellt lediglich Türen hin. Manche groß, manche kaum sichtbar. Und fast alle haben eines gemeinsam; sie öffnen sich erst, wenn du die Klinke herunterdrückst. Vorher nicht.
Genau deshalb sieht jeder große Schritt von außen mutig aus. Von innen fühlt er sich meistens einfach nur unsicher an.
Der Sonnenaufgang auf dem Berg
Stell dir vor, du möchtest den Sonnenaufgang auf einem Berg erleben. Du stellst den Wecker. Es ist dunkel. Der warme Schlafsack fühlt sich plötzlich unglaublich gemütlich an. Draußen ist es kalt. Der Weg ist unbekannt.
Wäre es nicht viel angenehmer, erst loszugehen, wenn die Sonne bereits scheint? Natürlich wäre es das. Nur hättest du dann genau das verpasst, weshalb du überhaupt losgezogen bist.
Der Sonnenaufgang wartet nicht auf dich. Er entsteht, während du unterwegs bist. Die meisten von uns möchten aber erst losgehen, wenn alles hell ist. Dabei wird es oft erst hell, weil wir losgegangen sind. Hast du einen solchen Moment auch schon erlebt?
Vielleicht existiert der perfekte Zeitpunkt wirklich. Nur woanders
Das klingt verrückt. Aber hör kurz zu. Der perfekte Zeitpunkt entsteht nicht vor der Entscheidung. Er entsteht erst danach. Nicht an dem Tag, an dem du kündigst. Sondern Wochen später, wenn du zum ersten Mal merkst, dass du mehr kannst, als du dir selbst zugetraut hast.
Nicht an dem Tag, an dem du ins Ausland ziehst. Sondern Monate später, wenn aus Unsicherheit langsam Vertrautheit wird.
Nicht an dem Morgen, an dem du den Schlüssel deines Campers umdrehst. Sondern irgendwann auf einem Stellplatz, Kaffee in der Hand, wenn du denkst: „Gut, dass ich damals nicht länger gewartet habe.“
Das ist der perfekte Zeitpunkt. Der Moment, in dem du erkennst, dass sich der erste Schritt gelohnt hat. Nicht vorher. Sondern danach.
Die Frage, die bleibt
Was wäre, wenn das Gefühl der Bereitschaft niemals von allein auftaucht? Und was wäre, wenn dein zukünftiges Ich dir heute zuflüstern könnte: „Bitte hör auf, auf mich zu warten. Ich kann erst entstehen, wenn du endlich losgehst.“ Vielleicht ist das die einzige Antwort, die du wirklich brauchst. Und jetzt interessiert mich deine Sichtweise darauf. Schreibe sie mir in die Kommentare.