Im letzten Artikel habe ich dir erzählt, wie mein Camper nach acht Wochen Stillstand partout nicht kooperieren wollte. Ein abgesagter Werkstatt-Termin, eine aufleuchtende Airbag-Warnleuchte und eine weitere Werkstatt in Irvine, die mir am Ende nicht weiterhelfen konnte. Trotzdem bin ich losgefahren, mit Warnleuchte und Richtung Essex zum Hafen. Wie es weiterging, erzähle ich dir jetzt.
Ein weiteres Rätsel
Kaum hatte ich die Werkstatt in Irvine hinter mir gelassen und war Richtung England unterwegs, meldete sich die nächste Überraschung. Die Hauptbatterie für den Wohnbereich ließ sich plötzlich nicht mehr einschalten. Als hätte der sie beschlossen, mir noch ein zweites Rätsel mit auf den Weg zu geben.
Eile war trotzdem keine gute Idee. Also entschied ich mich, die Nacht auf einem meiner Lieblingsparkplätze in Stirling zu verbringen. Dort wollte ich in Ruhe der Batterie auf den Grund gehen, den Airbag-Fehler so gut es geht selbst untersuchen und nebenbei noch den Reifendruck kontrollieren, bevor es am nächsten Morgen weitergeht.
Keine Kommunikation
Nach etwa 2 Stunden Fahrt in Stirling angekommen, habe ich mir die Batterie gründlich angesehen. Doch auf den ersten Blick fand ich nichts, was das Verhalten erklärt hätte. Erst als ich mein Smartphone in die Hand nahm, bemerkete ich die Ursache.
Die Bluetooth-Funktion war schlicht deaktiviert. Keine defekte Zelle, kein Kabelbruch, einfach nur ein ausgeschalteter “Schalter”. Manchmal liegt die Lösung eben nicht in der Technik des Fahrzeugs, sondern in der eigenen Hosentasche.
Auch die Kabel des Airbagmoduls habe ich mir genau angeschaut. Nichts Auffälliges, keine losen Stecker, keine sichtbaren Schäden. Also blieb mir nur ein Klassiker der Fehlerbehebung: Batterie abklemmen, Elektronik zurücksetzen, hoffen, dass ein Reset wirkt wie ein tiefer Atemzug für die Bordelektronik.
Reifendruck prüfen, während der Camper schläft
Während der Camper stromlos dastand, nutzte ich die Zeit, um den Reifendruck zu kontrollieren. Ein guter Nebeneffekt der Zwangspause, denn die Werkstatt in Irvine hätte ohnehin keine weiteren Arbeiten am Fahrzeug durchführen dürfen, solange der Airbag-Fehler nicht behoben ist. Aber niemand sagte, dass ich mich nicht daran versuchen darf.
In der Werkstat wurde mir auch gesagt, dass dort keine klassischen Mechaniker am Werk sind, sondern eher Fachkräfte für ganz bestimmte, festgelegte Tätigkeiten, also mit einem entsprechend eng begrenzten Wirkungsbereich. Immerhin hatten sie kurzfristig einen Termin frei, und einen Versuch war es mir wert.
Zehn Stunden bis Harwich in Essex
Mit weiterhin leuchtender Airbag-Warnleuchte machte ich mich schließlich auf den Weg nach Harwich im Süden Englands. Zehn Stunden Fahrt lagen vor mir, mit Pausen zum Durchatmen und gelegentlichen Stopps für berufliche Telefonate, die sich selbst auf der Straße nicht einfach verschieben ließen.
Eine Fahrt wie diese hat aber auch ihre guten Seiten. Unterwegs habe ich zwei weitere Parkmöglichkeiten in Google Maps gespeichert und damit meine ganz persönliche „Schlafkarte“ um zwei neue Punkte erweitert. Kleine Funde, die sich auf künftigen Reisen noch als Gold wert erweisen können.
Ankunft in Harwich: Letzte Besorgungen vor der Überfahrt
In Harwich angekommen, blieb noch Zeit für ein paar letzte Einkäufe, damit wenigstens das Nötigste im Kühlschrank lag, bevor es aufs Schiff geht. Die Nacht verbrachte ich direkt im Hafen, umgeben von anderen Campern, darunter sogar ein liebevoll umgebauter Landrover Defender, der mich neugierig machte, wie wohl seine eigene Geschichte aussieht?
Check-in, Kontrolle, Boarding
Am nächsten Morgen ging es dann Schritt für Schritt weiter. Check-in, Sicherheitskontrollen, und schließlich die Auffahrt auf das Schiff nach Hoek van Holland in den Niederlanden. Mit Airbag-Fehler im Gepäck, aber mit dem guten Gefühl, ein ordentliches Stück des Weges bereits geschafft zu haben. Dennoch lagen ab dem holländischen Hafen noch weitere 7 Stunden Fahrt bis Lübeck vor mir. Schließlich hatte ich dort am Freitag Morgen einen Arbeitstermin.
Wie es dann weiterging, erzähle ich euch im nächsten Artikel dieser Reihe. Fortsetzung folgt.