Warum du heute aufhören solltest, auf „irgendwann“ zu warten

Eine kleine Geschichte darüber, wie eine Entscheidung alles verändert und warum Warten das größte Risiko deines Lebens ist.

Stell dir vor, du liegst irgendwann in hohem Alter in deinem Bett und blickst auf dein Leben zurück. Nicht auf die Momente, in denen du gehandelt hast, sondern auf all die Momente, in denen du es nicht getan hast. Auf das Gespräch, das du nicht geführt hast. Die Reise, die du verschoben oder vielleicht sogar abgesagt hast. Die Kündigung, die du dir nicht getraut hast abzusenden. Wie fühlt sich das an?

Wenn diese Frage ein leises Unbehagen in dir auslöst, dann lies weiter. Denn dieser Artikel ist genau für dich und beschreibt die Situationen in meinem Leben, die ich heute anders mache.

 

Das Märchen vom perfekten Zeitpunkt

Die meisten Menschen leben ihr Leben in einem stillen Wartezimmer. Sie warten auf mehr Geld. Auf mehr Sicherheit. Auf eine bessere Ausgangslage. Auf das Ende der Unsicherheit. Doch hier ist die unbequeme Wahrheit, die kaum jemand laut ausspricht: „Diesen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Den hat es nie gegeben. Und er wird auch nicht kommen – Sorry.“

Das Leben wartet nicht auf deinen Plan. Es läuft einfach weiter. Mit dir oder ohne dich. Ich weiß das, weil ich selbst jahrelang in diesem Wartezimmer gesessen habe. Im Jahr 2010 traf ich dann eine Entscheidung, die alles veränderte. Ich kündigte meinen sicheren Job in Deutschland und wanderte nach Schottland aus. Kein Masterplan. Keine Garantie. Nur ein paar wenige Sachen und das Gefühl, dass es so nicht weitergehen konnte und durfte.

 

Eine Entscheidung, die niemand versteht. Bis sie funktioniert

Weißt du, was das Merkwürdige an lebensverändernden Entscheidungen ist? Von außen sehen sie immer riskant aus. Unverantwortlich oder sogar naiv. Die Leute in meinem Umfeld sagten: „Bist du sicher?“ „Hast du das wirklich durchdacht?“ “Was willst du denn in Schottland machen?”

Und dann, als die sahen, dass es funktioniert hat, sagten dieselben Menschen: „Wow, das war mutig. Ich bewundere das so sehr.“ Andere wieder sagten: „Ich wünschte, ich hätte das auch getan.“ (Wie sich später herausstellte, hätten sie es sowieso nie getan und hätten es sich auch nicht wirklich gewünscht.)

Meine Entscheidung, Deutschland zu verlassen, war der Ausgangspunkt für alles, was danach kam. Mehrere Umzüge. Verlorene Jobs. Neuanfänge. Ein Leben als Backpacker. Leben in Mexiko. Verkauf fast aller Besitztümer. Klingt chaotisch? War es tatsächlich auch, aber es war nie langweilig und ich hatte immer meinen Spaß dabei. Auch dann, oder vielleicht sogar vor allem dann, wenn ich es mal wieder so richtig verkackt hatte.

Heute lebe und arbeite ich in einem Campervan, unterwegs, relativ frei, mit einem Leben, das ich mir vor 15 Jahren nicht einmal hätte vorstellen können. Nicht weil ich einen genialen Plan hatte, sondern weil eine Entscheidung die nächste möglich machte. Alles baute aufeinander auf. Und wenn eine Situation aussichtslos erscheint, dann wird es erst richtig spannend. Denn dann kommen die schönsten Momente, die die meisten Menschen mit ihrem Streben nach illusionärer Sicherheit leider nie erleben werden.

 

Die Frage, die kaum jemand stellt

Viele Menschen fragen sich: „Was ist, wenn ich scheitere?“ Es ist eine verständliche Frage. Aber es gibt eine bessere, die ich mir immer wieder vor neuen Herausforderungen gestellt habe. Diese Frage lautet: „Was passiert, wenn ich es niemals versuche?“

Wo stehst du in fünf Jahren, wenn du heute nichts veränderst? In zehn? Das gleiche Büro. Die gleiche Routine. Das gleiche Gefühl, dass da noch etwas sein müsste, irgendwo, irgendwann. Das Verharren im Bekannten fühlt sich, auch für mich, zunächst sicher an. Aber es war die teuerste Entscheidung, die ich treffen konnte, weil ich sie still und leise jeden einzelnen Tag erneut getroffen habe, ohne es zu bemerken, wie ein Kreislauf. Wie praktisches Unglück auf Autopilot.

 

Reisen veränderte mehr als nur meinen Standort

Ich reise nicht, weil Strände schön sind. Strände sind schön, ja. Aber das ist die Kulisse, nicht der Grund. Ich reise, weil mir jeder neue Ort eine andere Art zu leben zeigt. Weil jede Begegnung mit fremden Menschen mein Weltbild ein Stück größer macht. Weil ich auf jeder Reise festgestellt habe, wie wenig ich wirklich brauche und wie viel mehr ich dadurch wachse. Darum habe ich das Reisen zu meinem Lifestyle gemacht und liebe es total.

Nach jedem Abenteuer geht aus mir ein anderer Mensch hervor. Nicht dramatisch anders. Aber ein kleines bisschen freier. Ein kleines bisschen sicherer in mir selbst. Ein kleines bisschen weniger abhängig davon, was andere von meinen Entscheidungen denken.

 

Mut ist kein Gefühl – Mut ist eine Entscheidung

Lass mich dir etwas verraten: Ich hatte Angst. Mehr als einmal. Vor jedem Umzug. Vor jeder Ungewissheit. Vor der Frage, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Und weißt du was? Vor jeder neuen Entscheidung kommt in mir nach wie vor das Gefühl der Angst hoch.

Mut bedeutet nicht, diese Angst nicht zu fühlen. Mut bedeutet, trotzdem loszugehen. Ich bin in keiner Weise mutiger als du. Ich habe dieselben Zweifel, dieselbe Unsicherheit und denselben inneren Kritiker, der flüstert: „Bist du dir sicher?“

Der Unterschied ist nicht der Mut. Der Unterschied ist die Entscheidung, trotz Angst zu starten. Sobald du eine Sache gemeistert hast, hast du auch die Angst vor dieser Sache im Griff. Ich sehe meine Ängste heute als Wegweiser zu neuem Wachstum. Wann wirst du dich auf den Weg machen, um dich deinen Ängsten zu stellen?

 

Deine Veränderung muss nicht spektakulär sein

Vielleicht denkst du jetzt: „Schön, aber ich kann nicht einfach alles stehen und liegen lassen.“ 

Das musst du auch nicht. Nicht jede lebensverändernde Entscheidung bedeutet, das Land zu verlassen oder alle Brücken hinter sich abzubrechen. Manchmal beginnt Veränderung mit einem neuen Hobby. Einem Gespräch, das du zu lange aufgeschoben hast. Einer Weiterbildung. Einer Reise allein. Oder einfach die Entscheidung oder nenne es auch gerne die Erlaubnis, deine eigenen Bedürfnisse endlich über die Erwartungen anderer zu stellen.

Du weißt nie, welche dieser kleinen Entscheidungen eines Tages der erste Dominostein ist, der alles in Bewegung setzt und dich in ein neues Kapitel deines Lebens befördert. Lass dich einfach drauf ein und du wirst sehen, dass viel mehr machbar ist, als du es dir in diesem Moment vorstellen kannst. 

 

Was wäre, wenn deine größte Entscheidung noch vor dir läge?

Vielleicht liest du diesen Artikel, weil es sich gerade so anfühlt, dass es in deinem Leben, so wie es jetzt ist, etwas nicht stimmt. Vielleicht spürst du es seit Monaten, vielleicht schon seit Jahren. 

Dieses leise, hartnäckige Gefühl: „So kann es nicht bleiben.“ Dieses Gefühl ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Kompass. Ich kann dir nicht versprechen, dass alles glatt läuft. Ich kann dir auch nicht garantieren, dass deine Entscheidung perfekt sein wird. Perfektion ist nur eine Illusion. Ich kann dir allerdings aus eigener Erfahrung sagen: “Die Entscheidungen, vor denen ich am meisten Respekt oder auch Angst hatte, waren später die wertvollsten meines Lebens.” Weil sie mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin.

Mit welcher Kleinigkeit darfst du heute anfangen, um die beste Version von dir zu werden?

Ich bin gespannt auf deine Antwort. Gibt es in deinem Leben gerade eine Entscheidung, die du schon zu lange vor dir herschiebst? Schreib es mir in die Kommentare oder teile diesen Artikel mit jemandem, der gerade genau das lesen sollte.

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