Was hast du wirklich zu verlieren?

Was habe ich wirklich zu verlieren? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt und meine Vorhaben dann doch wieder abgebrochen. Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich mir einfach die falschen Fragen gestellt habe.

Die meisten Menschen fragen sich, wie ich auch: „Was habe ich zu verlieren, wenn ich alles verändere?“ Aber kaum jemand fragt sich das Gegenteil: „Was verliere ich gerade, weil ich nichts verändere?“

Und genau in dieser Lücke zwischen Angst vor Veränderung und den stillen Kosten des Stillstands verleben viele Menschen Jahre ihres Lebens. Manchmal Jahrzehnte. Bei mir waren es fast 40 Jahre. Dieser Artikel ist kein motivierender Klatsch auf die Schulter. Er ist eine ehrliche Rechnung, die ich für mich erstellen durfte.

 

Die Illusion der Sicherheit

„Sicherheit“ klingt gut. Fester Job. Eigene Wohnung. Geregelter Alltag. Vorhersehbare Zukunft. Zumindest dachte ich das. Vor allem die Illusion des festen Jobs hat mich lange gefesselt.

Aber wie sicher ist das alles wirklich? Frag mal die Menschen, die ihren Job verloren haben, mich eingeschlossen, obwohl sie jahrelang loyal waren. Frag die, die umziehen mussten, obwohl sie dachten, sie wären angekommen. Frag die, die plötzlich vor einem Neuanfang standen, nicht weil sie es gewählt hatten, sondern weil das Leben andere Pläne hatte. 

Die unbequeme Wahrheit: Vieles, was wir Sicherheit nennen, ist eine Illusion von Kontrolle. Das Leben hält sich nicht an unsere Vorstellungen. Es wird es auch nie tun. Und trotzdem klammern sich viele Menschen an Strukturen, die sie nicht glücklich machen. Aber sie haben sich dran gewöhnt. Gewohnheit ist aber leider kein Glück.

 

Deine Komfortzone ist kein gemütliches Sofa

Liebst du deine Komfortzone? Viele Menschen halten sich jahrelang in ihr auf, einfach nur, weil sie Angst vor dem Unbekannten haben. Die Komfortzone ist gar nicht so komfortabel, wie sie aussieht. Sie ist ein hübsch eingerichteter Käfig, von außen stabil, von innen eng.

Wie oft habe ich mir schon gesagt:

  • „Nächstes Jahr fange ich an.“
  • „Nächsten Sommer ist der richtige Zeitpunkt.“
  • „Wenn ich genug Geld habe, dann…“

Und dann wurde aus diesem „nächsten Jahr“ einfach ein weiteres Jahr. Dann noch eins und so zog sich dann alles hin. Die meisten Träume scheitern nicht an fehlenden Möglichkeiten. Sie scheitern daran, dass wir uns irgendwann daran gewöhnen, sie aufzuschieben.

 

Was ist wirklich das Schlimmste, was passieren kann?

Lass mich ehrlich zu dir sein, wirklich ehrlich. Du ziehst ins Ausland und merkst nach sechs Monaten: Das ist nichts für dich. Du startest ein Projekt und es funktioniert nicht wie geplant. Die Reise endet früher als gedacht. Und dann?

Dann kehrst du zurück. Dann fängst du neu an. Dann machst du weiter. Wie Millionen andere Menschen vor dir es auch getan haben. Warum behandeln wir Veränderungen so, als wären sie Einbahnstraßen ohne Umkehrmöglichkeit? Die meisten Entscheidungen im Leben sind rückgängig zu machen. Wir können zurückgehen, noch mal anfangen, neu aufbauen. Doch selbst wenn wir zurückgehen, kehren wir nie als derselbe Mensch zurück, der wir vorher waren. Wir wachsen an allem, was wir erlebt haben. 

Genau das war ein einschneidender Punkt in meinem Leben. Es ging immer weiter, egal, was auch gewesen ist. 

 

Was verlierst du gerade, während du wartest?

Das ist die Frage, die die meisten Menschen sich nicht stellen. Vielleicht kennen sie diese Frage auch nicht. Wenn du wie ich aufgewachsen bist, dann bist du wahrscheinlich darauf konditioniert zu funktionieren, dich anzupassen, bloß nicht aufzufallen und nur zu handeln, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. 

Während du auf den richtigen Zeitpunkt wartest, auf mehr Sicherheit, auf bessere Umstände, was verlierst du bereits in dieser Wartezeit?

  • Erfahrungen, die du nie machen wirst?
  • Geschichten, die du nie erzählen kannst?
  • Eine Version von dir selbst, die du nie kennenlernen wirst?

Geld kann man wieder verdienen. Besitz lässt sich ersetzen. Auch nach Rückschlägen kann man neu anfangen. Aber die Zeit, die vergeht, kommt niemals zurück. Auch das Nichtstun hat einen Preis. Einen Preis, den viele Menschen erst erkennen, wenn es zu spät ist.

 

Was, wenn es wirklich klappt?

Wir sind erstaunlich kreativ darin, uns mögliche Katastrophen auszumalen. Warum nutzen wir diese Energie nicht für die andere Seite? Das liegt wahrscheinlich daran, dass unser Gehirn biologisch auf Sicherheit programmiert ist und Schlimmes vermeiden will. Also gehen wir völlig selbstverständlich die schlimmen Szenarien durch. Als Schutzmechanismus. 

Wir können uns aber bewusst andere Fragen stellen. Das braucht etwas Übung, zumindest war es bei mir so. Aber wann immer ich mir über Möglichkeiten Gedanken gemacht habe und mir das Ergebnis im Geiste vorgestellt habe, hat es meine Laune verbessert und meinen Fokus auf Möglichkeiten gelenkt. Frage dich also ganz bewusst:

  • Was wäre, wenn es doch klappt?
  • Was wäre, wenn dieser Schritt die beste Entscheidung deines Lebens wäre? 

Hinter der Angst wartet die Freiheit, nach der die meisten Menschen seit Jahren suchen. Wann immer du trotz Angst doch gehandelt hast, wirst du sicher bestätigen, dass sich die Angst vor genau dieser Sache verändert hat oder sogar ganz verschwunden ist.

Jede neue Erfahrung bringt etwas mit sich:

  • Neue Fähigkeiten, die du nie für möglich gehalten hättest
  • Kontakte und Menschen, die dein Leben verändern
  • Perspektiven, die deinen Blick auf alles verschieben
  • Selbstvertrauen, das kein Buch und kein Kurs dir geben kann

 

Was das Leben bereithält – eine persönliche Geschichte

Als ich 2010 Deutschland verlassen habe, hatte ich keinen perfekten Plan. Ich hatte eigentlich gar keinen Plan. Ich wusste nur, dass ich etwas verändern musste. Also packte ich acht kleine Umzugskartons und zog nach Schottland.

Damals hätte ich niemals geglaubt, dass ich im Laufe der Zeit mehrfach innerhalb von Schottland umziehen würde. Dass ich mit einem Koffer und einem Rucksack nach Mexiko gehen würde. Dass ich als Backpacker unterwegs sein würde. Oder dass ich Jahre später in Campervans leben und von unterwegs arbeiten würde.

Nichts davon war geplant. Nichts davon war vorhersehbar. Und genau das ist der Punkt. Viele Menschen warten auf absolute Klarheit, bevor sie den ersten Schritt machen. Dieser Illusion bin auch ich lange gefolgt. Aber Klarheit entsteht selten vor der Reise; sie entsteht unterwegs. Eine Entscheidung öffnet die Tür zur nächsten. Und irgendwann blickte ich zurück und erkannte, dass mein Leben eine Richtung eingeschlagen hat, die ich niemals hätte planen können. Dafür bin ich heute sehr dankbar.

 

Fazit: Das größte Risiko ist nicht das Scheitern

Vielleicht hast du Angst. Glaube mir, das ist völlig normal. Jeder Mensch hat Angst vor dem Unbekannten, das ist unsere biologische Prägung. Aber Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, trotzdem loszugehen und die Angst als Wegweiser zu sehen. Überall dort, wo ich Angst verspürte und trotzdem gehandelt habe, habe ich Neues gelernt. 

Wenn du dich auf eine Veränderung eingelassen hast, wirst du wahrscheinlich feststellen, dass du deutlich weniger zu verlieren hattest, als du jemals gedacht hast. Vielleicht kehrst du zurück. Vielleicht schlägst du einen völlig neuen Weg ein. Vielleicht entdeckst du eine Seite an dir, die bisher verborgen war, oder du findest einen Lebensstil, von dem du heute noch gar nicht weißt, dass er existiert.

Wie viel hast du wirklich zu verlieren und wie viel von deinem Leben verlierst du gerade, indem du nichts veränderst? Die Antwort steckt bereits in dir. Irgendwo da draußen wartet dein Abenteuer auf dich. Du wirst es aber erst dann finden, wenn du bereit bist, den ersten Schritt zu machen.

Hast du schon einmal eine große Veränderung gewagt oder wartest du noch immer auf den richtigen Moment? Schreib es in die Kommentare.

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